Der Birnbaum

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Im Februar 1911 brach ein Sturm den alten Birnbaum an der Kirche um. Der folgende Baum wurde in den sechziger Jahren abgesägt und nach der Wende durch einen neuen -allerdings unfruchtbaren- ersetzt. Im Jahr 2000 hat man dann einen prächtigen zwanzigjährigen Stamm gepflanzt, der prima wächst und jetzt ganz wie der alte wirkt.


Die Sage vom Birnbaum des Herrn von Ribbeck war Theodor Fontane vermutlich bekannt, auch das inhaltlich gleiche Gedicht der Herta von Witzleben, einer Enkelin eines von Ribbeck, aus dem Jahre 1875. Fontanes Gedicht entstand zwischen dem 12. Mai und dem 11. Juni 1889.

 

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn´s Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: "Junge, wiste ´ne Beer?"

Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb ´ne Birn."

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ´s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab."

Und drei Tage darauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Bünder mit Feiergesicht

Sangen "Jesus meine Zuversicht",

Und die Kinder klagten, das Herze war schwer:

"He is dod nu. Wer giwt uns nu ´ne Beer?"

So klagten die Kinder. Das war nicht recht-

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,

Der wusste genau, was damals er tat,

Als um eine´Birn´ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet´s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung´übern Kirchhof her,

So flüstert´s im Baume: "Wiste ´ne Beer?"

Und kommt ein Mädel, so flüstert´s: " Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew` di ´ne Birn."

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.